Liebe Freundinnen und Freunde der Kulturkirche St. Stephani
Lasst uns (weiter) experimentieren…
Ich kaue gerne Worte und Begriffe, lasse sie mir auf der Zunge zergehen und prüfe, ob sie für mich stimmig sind. So ist mir in den letzten Monaten immer wieder das „kulturelle Experiment“ durch Kopf und Herz gegangen, dem sich die Kulturkirche einst verschrieben hat. Ich habe mich gefragt, was genau das bedeutet und ob wir es immer noch einlösen. Und dann festgestellt, dass ich es genau richtig finde, es weiter als einen zentralen Auftrag zu formulieren, weil es uns alle und auch mich auf inspirierende Art herausfordert.
Herausfordert, weil das Experiment immer mehr Hirnschmalz und Einsatz erfordert als das Gewohnte und Bewährte.
Weil der Ausgang und schon der Weg dahin offen und unabsehbar sind und somit weniger zu kontrollieren.
Weil die Gefahr des Scheiterns mitschwingt, und Scheitern weh tun kann.
Aber gleichzeitig macht das Experiment auch erfreulich wach. Es lässt uns uns, unser Gegenüber und die Welt neu entdecken. Es kann auch sehr lustig sein, auch das Scheitern.
Aus diesem Bewusstsein (und Wiederkäuen) ist das Ausstellungsprojekt „Von Brüchen und Verbindungen“ entstanden, dass wir zur Deutschen Einheit veranstalten. Wir wagen es, Ihnen und Euch zum Auftakt eine leere Kirche zu präsentieren. Denn die Bilder werden erst nach und nach, an vier Abenden, entstehen. Die Künstlerin Sabine Peter wird im Zusammenspiel mit eingeladenen Musiker:innen vor Ihren und Euren Augen malen.
Dieses Prozesshafte passt für uns zum wiedervereinten Deutschland. Denn auch nach 36 Jahren Mauerfall stecken wir in einem dynamischen Prozess, eine Tatsache, die der Begriff „Einheit“ vernachlässigt. Wir sind noch lange und vielleicht auch nie fertig, mit diesem „Ost/West“-Thema, weil wir Menschen sind, die hinterfragen, die sich verändern, die neue Menschen gebären, die neue Fragen stellen…
Was spiegelt das Ausstellungsprojekt noch wider? Was assoziieren Sie mit der Deutschen Einheit, während Sie der Musik lauschen und der Künstlerin beim Malen zusehen? Wir freuen uns sehr darauf, mit Ihnen und Euch im Oktober und November darüber in den Austausch zu gehen - und gemeinsam zu experimentieren!
Annabell Karbe, Leitung und Geschäftsführung Kulturkirche St. Stephani